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VON STRESS BIS ZUR MIGRÄNE – 5 TIPPS GEGEN KOPFSCHMERZEN

Ob vom Lernen, beim Arbeiten oder allgemein vom Stress: Kopfschmerz hat viele Ursachen und ist ein häufiges Symptom. Ziehen im Nacken und im Kopf kommt oft von Verspannungen durch eine falsche Haltung am Schreibtisch. Zahlreiche weitere Ursachen können der Grund für Kopfschmerzen sein. Doch was können wir aktiv und prophylaktisch tun, um Kopfschmerzen zu lindern oder zu verhindern? Prof. Dr. Gündling, Studiendekan im Master Naturheilkunde & komplementäre Medizin (M.Sc.), gibt hilfreiche Tipps für die Prävention von Kopfschmerzen und erklärt hier im Interview, woher die Schmerzen kommen können.

WORAN ERKENNT MAN SPANNUNGSSCHMERZ UND WIE UNTERSCHEIDEN SICH DIESE VON CHRONISCHEN KOPFSCHMERZEN?

Kopfschmerzen sind sehr häufig und können auch als Symptom bei diversen Krankheiten auftreten. Bei Kindern zum Beispiel treten Kopfschmerzen oft durch eine nicht korrigierte Sehschwäche auf. Ob es sich um Spannungsschmerzen, Migräne oder eine andere Ursache handelt, ist daher nicht immer so leicht zu sagen. In Deutschland leiden etwa 19 Millionen Menschen an Spannungskopfschmerzen und 9 Millionen an Migräne – bei einem Großteil der Betroffenen sind die Ursachen jedoch gar nicht richtig abgeklärt. Treten Kopfschmerzen häufig auf, sollte man das untersuchen lassen – wenigstens bei Hausärzt:innen, ggf. auch bei Neurolog:innen.

Migräne tritt häufig mit Begleiterscheinungen wie Sehstörungen oder Übelkeit auf und ist daher oft recht gut von anderen Kopfschmerzformen zu unterscheiden. Spannungskopfschmerz beginnt meist im Nacken und wird durch verkrampftes oder langes Sitzen ausgelöst. Tritt das nicht so häufig auf, kann man bedarfsweise kurzfristig handeln.

KURZFRISTIG ETWAS GEGEN KOPFSCHMERZEN TUN? WAS ZUM BEISPIEL?

Portrait von Dr. Gündling
Prof. Dr. Gündling, Studiendekan Naturheilkunde & komplementäre Medizin (M.Sc.)

Wenn es Spannungskopfschmerzen sind, bieten sich Entspannungsübungen wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training oder Wärmeanwendungen an. Je nachdem, was gerade zur Hand ist, kann ein Kirschkernkissen, eine Infrarotlampe, ein Wärmepad oder eine Wärmesalbe helfen. Massagen sind ebenfalls zu empfehlen – beispielsweise, wenn der Partner oder die Partnerin die verspannte Muskulatur sanft massiert, kann das den Kopfschmerz bereits lindern. Auch ein heißes Bad mit beruhigendem Lavendelöl kann helfen, die Verspannungen zu lösen. Bei langem Sitzen am Schreibtisch zum Lernen oder Arbeiten sind regelmäßige Lockerungsübungen zwischendurch zu empfehlen, um die verkrampfte Muskulatur zu lockern.

WAS KANN PRÄVENTIV GEGEN VERSPANNUNGEN HELFEN?

Ein Saunagang pro Woche oder Dehnungsübungen am Schreibtisch können helfen, dass die Muskulatur gelockert wird und es seltener zu Spannungskopfschmerzen kommt. Ganz wichtig bei Dehnübungen zu Hause: Immer beide Seiten dehnen, auch wenn die Verspannung nur einseitig ist. Das An- und Entspannen der betroffenen Muskelpartien und der Gegenseite hilft auch dabei, sich seinen Verspannungen bewusst zu werden. So lässt sich besser einschätzen, wo der Kopfschmerz herkommt.

Wie auch für viele andere Erkrankungen gibt es auch für die Prävention von Kopfschmerzen die „5 Säulen der Naturheilkunde“, die man zu Hause oder auch bei der Arbeit oder im Studium selbst durchführen kann.

  1. Gesunde Ernährung
  2. Regelmäßige Bewegung
  3. Regelmäßige Entspannung
  4. Wasseranwendungen
  5. Heilpflanzen
Frau sitzt und dehnt die Beinmuskulatur. Mann mit Akupunkturnadeln im Rücken. Zwei Menschen halten ihre Füße in ein Fußbad, die vordere Person überprüft die Wassertemperatur. Junge Frau sitzt im Schneidersitz und hält eine Schüssel mit Salat in der Hand. Eine Kerze, ein Lavendelbündel und ein Handtuch auf einem Brett über der Badewanne.

MIT DER RICHTIGEN ERNÄHRUNG GEGEN KOPFSCHMERZEN – WIE GEHT DAS?

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle sowohl bei der Prävention als auch bei der Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne. Es gibt beispielsweise Lebensmittel, die Histamin beinhalten, auf das einige Menschen mit Kopfschmerzen reagieren. Wenn man anfällig dafür ist, sollte man seine Ernährung umstellen.

Zu viele Süßigkeiten oder zu viel Fleisch können zur Übersäuerung des Körpers führen. Auch, wenn man zu hektisch oder zu spät isst, kann das Kopfschmerzen auslösen. Das hat etwas mit dem komplexen Verdauungsvorgang und der Bildung von Schadstoffen wie Fuselalkoholen und Schwefelwasserstoffen im Darm zu tun. Gegen Abend fährt der Körper die Verdauungskraft herunter, sodass es bei späten Mahlzeiten häufiger zu Verdauungsstörungen kommt. Die entstandenen Giftstoffe werden dann ins Blut aufgenommen und können Kopfschmerzen oder Migräne auslösen. Das ist ähnlich wie bei einem Kater nach zu reichlichem Alkoholgenuss.

D.h. eine bewusste Ernährung und gründliches Kauen kann auch bei der Kopfschmerztherapie helfen. Und Trinken ist natürlich auch sehr wichtig! Man sollte nicht nur dann zum Wasserglas greifen, wenn man Durst hat.

SIE HABEN EBEN SCHON BEWEGUNG ANGESPROCHEN. WIE HILFT SPORT GEGEN KOPFSCHMERZEN?

Generell – vor allem, wenn man beim Lernen oder bei der Arbeit viel am Schreibtisch sitzt – sollte man etwa 3-4 Stunden pro Woche einen Ausgleich mit Bewegung schaffen. Das kann Joggen sein, ein ausgedehnter Spaziergang, Fahrradfahren oder etwas Ähnliches. Wir reden hier nicht von Leistungssport, sondern wirklich von Ausgleichssport. Das lockert die Muskeln und entspannt die verkrampfte, teils falsche Haltung vom langen Sitzen. Wenn man das regelmäßig macht, kann das Verspannungen vorbeugen. Wichtig: Sport ohne Stress, ggf. auch mal austoben und den Kopf freimachen. Und nach dem Sport nicht vergessen sich zu dehnen!

UND WELCHE ENTSPANNUNGSMETHODEN KÖNNEN SIE EMPFEHLEN?

Unser Leben ist so stressig geworden, dass man generell in seinen Wochenplan regelmäßig Entspannungsphasen und –übungen einplanen sollte. Zehn Minuten Autogenes Training können dabei so effektiv sein, wie zwei Stunden Schlaf. Das muss man natürlich trainieren. Wenn Autogenes Training nichts für einen ist, dann ist die Progressive Muskelentspannung eine gute Alternative.

Wärmeanwendungen sind wie schon gesagt eine gute Möglichkeit zum Entspannen – zum Beispiel durch ein warmes Bad mit Lavendelöl oder Passionsblume. Sowohl das warme Wasser als auch die ätherischen Öle wirken beruhigend und können auch helfen, bevor die Verspannung zum richtigen Kopfschmerz wird.

 

ZÄHLT EIN ENTSPANNUNGSBAD SCHON ZUR WASSERHEILKUNDE?

Ja, warum nicht. Wasseranwendungen, die gegen Verspannungskopfschmerzen oder bei der Therapie gegen chronische Kopfschmerzen helfen können, sind aber auch Kneipp‘sche Bäder und Güsse. Zum Beispiel so genannte Wechselfußbäder, bei denen zuerst die Füße etwa fünf Minuten lang in warmes und dann kurz – ca. 15 sec. – in kaltes Wasser gestellt werden. Macht man dies regelmäßig, trainiert das die Gefäßregulation und kann gegen Migräne helfen. Denn: Migrängepatient:innen haben fast immer kalte Füße, weil die Regulation im Wärmesystem gestört ist.

Eine sehr gute Maßnahme bei Spannungskopfschmerzen ist außerdem der ansteigende Nackenguss. Hierbei wird ein weicher Wasserstrahl mit lauer Temperatur – also weder warm noch kalt – auf den Nacken gehalten und die Temperatur ganz ganz langsam bis zur Schmerzgrenze (etwa 43°) erhöht. Dafür sollte man sich etwa 15 bis 20 Minuten nehmen und die Temperatur nur ungefähr um ein halbes Grad pro Minute steigern. Das öffnet die Blutgefäße, entspannt die Muskulatur, regt die Ent- und Versorgung in dem gesamten Bereich an und lindert so den Schmerz.

UND WAS HAT ES MIT DEN METHODEN DER PFLANZENHEILKUNDE AUF SICH?

Nicht nur die Chemie, auch die Natur bietet eine ganze Reihe von Schmerzmitteln, die im Akutfall eingesetzt werden können. Ein Beispiel ist Weidenrindenextrakt, von dem auch das bekannte Aspirin abgeleitet wurde. Gegen Migräne hilft Mutterkraut und entspannend wirken z.B. die ätherischen Öle von Lavendel, Melisse und Pfefferminze. Die positive Wirkung von Minzöl, das bei Kopfschmerzen im Schläfenbereich eingerieben wird, wurde in mehreren klinischen Studien belegt. Alternativ kann auch Magnesium helfen, weil es sowohl auf Blutgefäße als auch die Bewegungsmuskulatur krampflösend wirkt. Magnesiumtabletten können sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch genommen werden, aber Achtung: Magnesium kann abführend wirken – wie viel benötigt wird, ist ganz individuell.

Abraten möchte ich auf jeden Fall von herkömmlichen Schmerzmitteln, da diese letztlich auch zur Entstehung von Kopfschmerzen beitragen können und somit ein Teufelskreis entsteht.

 

 

Ein Akkupressurpunkt an der Hand hilft gegen Kopfschmerzen.

WIE KANN DIE NATURHEILKUNDE ODER KOMPLEMENTÄRMEDIZIN ANSONSTEN GEGEN KOPFSCHMERZEN UND MIGRÄNE HELFEN?

Eine hervorragende Therapie ist die Akupunktur. Sie hilft, das vegetative Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Wenn der Schmerz akut ist, gibt es auch Punkte, die man selbst drücken kann – im Sinne einer Akupressur quasi. Diese Punkte gibt es beispielsweise an den Händen und können bei einem bestimmten Druck für Linderung der Kopfschmerzen sorgen.

Auch die Neuraltherapie, eine der Akupunktur verwandte Methode, ist im Akutfall eine wertvolle und schonende Hilfemöglichkeit. Wichtig ist, dass vorher abgeklärt wird, woher die Schmerzen kommen und die oben genannten Allgemeinmaßnahmen – Ernährung (ggf. auch mal Fasten), Bewegung und Entspannung – nicht zu vernachlässigen.