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Physician Assitant im Gesprächt mit einem Patienten

Lassen Sie uns über Geld reden!

Der Physician Assistant, ein medizinischer Assistenzberuf, etabliert sich als neues Berufsbild. In diesem Beitrag widmen wir uns einem schwierigen, aber nicht unwichtigen Thema: Dem Gehalt des Physician Assistant.

Was verdient ein Physician Assistant?

Eine eigentlich unkomplizierte und kurze Frage, die in verschiedenen Kontexten und Situationen gestellt wird: Im Bewerbungsgespräch, für einen Studienplatz, auf Gesundheitskongressen, auf Berufsinformationsmessen, von anderen Berufsbildern, von Eltern der Studierenden.

Gerade bei privat finanzierten Studiengängen ist das Interesse nach einer Antwort groß. Also worin besteht das Problem mit einer ebenso unkomplizierten, kurzen Antwort?

Wie ist die Lage in Deutschland?

Da der Tätigkeitsbereich des Physician Assistant in einem noch nicht geregelten Bereich liegt, also ohne Tarifverträge, hängt das Einkommen noch von anderen Faktoren ab:

Diese können z. B. auf Ausbildung, Persönlichkeit oder Verhandlungsgeschick zurückgehen. In Deutschland führen bekanntlich verschiedene Wege zum Abschluss „Physician Assistant“. Der offensichtlichste Unterschied liegt in der Vorqualifikation: Bringen die Absolventen des Studiums bereits eine Ausbildung mit oder steigen sie direkt nach dem Abitur in das Studium ein? Bei einer vorherigen Berufsausbildung stellt sich zudem die Frage, in welchem Bereich diese stattfand. Wie lange arbeitete die Person in dem originären Beruf?

Feste tarifliche Verdienstrahmen können für ein neues Berufsbild nachteilig sein. Häufig wird der Verdienst mit dem Gehalt einer akademisierten Pflegekraft verglichen, wobei sich dieser in seiner Tätigkeit unterscheiden kann. Da die Etablierung des Physician Assistant sowie die Gesetzeslage noch unzureichend sind, sind wir von einem Tarifvertrag noch weit entfernt.

Wäre es sinnvoll, einen Beruf, der sich derzeit noch in seiner Entwicklung befindet, heute und jetzt schon tariflich einzuordnen?

Einen Versuch einer Einstufung starten wir dennoch:

Aufgrund des Tätigkeitsbereiches kann die Einstufung zwischen der Fachkrankenpflege und den Assistenzärzten angesiedelt werden. Nach aktuellem TVöD-Ä hat ein Assistenzarzt im ersten Jahr in einem kommunalen Krankenhaus ein Bruttogehalt von 4.023,08 €/Monat. Die Fachkrankenpflege wird nach TVöD-K im ersten Jahr in Entgeltgruppe 9a, bei 2.838,89 €/Monat eingruppiert.

Formal sind die Entgeltgruppen 9 bis 12 für Mitarbeiter mit Fachhochschulstudium oder Bachelor-Abschluss vorgesehen, wobei diese folgendermaßen beschrieben und vergütet werden:

  • E9a bis E9d: hat umfassende Fachkenntnisse und selbständige Leistungen erfordernde Tätigkeiten mit u.a. erhöhter Verantwortung 2.838,89 bis 3.208,16 €/Monat
  • E10a: Tätigkeiten wie bei 9, aber mit teilweise erhöhter Verantwortung, Schwierigkeit und Bedeutung  3.208,16 €/Monat
  • E11a: Tätigkeiten wie bei 9, aber mit erhöhter Verantwortung, Schwierigkeit und Bedeutung 3.404,35 €/Monat
  • E12a: Tätigkeiten wie bei 11, aber mit einem besonderen Maß an Verantwortung 3.750,55 €/Monat

Dazu könnte das Gehalt abhängig von der Vorbildung (z. B. abgeschlossene Fachweiterbildung) sowie individueller Kenntnisse und Fertigkeiten, als auch vom Einsatzgebiet mit entsprechender Verantwortung (z. B. Verantwortung für eine Station) sein. Auch kann die Trägerschaft eines Krankenhauses zu unterschiedlichen Gehaltsspiegeln führen.

Prof. Dr. Kirstin Bodusch-Bechstein„Gesundheitsberufe, in denen exzellent ausgebildete und hochmotivierte Menschen arbeiten, müssen nicht nur durch einen interessanten Arbeitsplatz, sondern auch durch eine adäquate Bezahlung gekennzeichnet sein. Nur so können sie für junge Menschen attraktiv sein, bzw. es kann eine Abwanderung von Fachkräften aus dem Gesundheitssystem verhindert werden. Auf diese Weise können wir dem Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen entgegen wirken.”

Prof. Dr. med. Dipl.-Wirt. Med. Kirsten Bodusch-Bechstein

Studiendekanin Physician Assistance (B.Sc.) und Physician Assistance für Gesundheitsberufe (B.Sc.)

In gewisser Hinsicht lässt sich die Frage „Was verdient ein Physician Assistant?“ auch mit der Frage „Was verdient ein Betriebswirt?“ vergleichen. Lässt sich diese Frage einfach beantworten, wenn das Profil der Absolventen von so vielen Faktoren abhängig ist? Nicht wirklich. Aber da wir trotzdem nach einer Antwort streben, helfen Zahlen wie die nachfolgenden (schon ein bisschen) weiter:

Ein Vergleich nach Bundesländern

Angegeben ist das Brutto-Monatsgehalt bei einer 40-Stunden-Woche:

  • Hessen: 3.490 – 4.238 Euro
  • Baden-Württemberg: 3.317 – 4.029 Euro
  • Rheinland-Pfalz: 2.965 – 3.601 Euro
  • Nordrhein-Westfalen: 3.050 – 3.705 Euro
  • Hamburg: 3.180 – 3.861 Euro
  • Bayern: 3.208 – 3.896 Euro

Im Vergleich: Die USA

In den USA gilt der Beruf des Physician Assistant sogar als Platz zehn der bestbezahlten Berufe. So verdient ein Physician Assistant dort 44,70 $ (also 40 Euro) die Stunde. Hochgerechnet auf eine ebenfalls 40-Stunden-Woche, kommt man auf ein Bruttogehalt von etwa 6.700 $. Daneben kann auch die Region einen kleinen Unterschied ausmachen.

Der Arzt Associate in England

Die Rolle des Arzt Associate im vereinigten Königreich, stellt auch hier ein noch junges Berufsbild dar. In der Zukunft soll sich die Aufgabe innerhalb des gesamten NHS (National Health Service) ausbreiten. Das Gehalt ist hier unterschiedlich verteilt. Diejenigen mit viel Berufserfahrung und möglichen Spezialisierungen sind im Vorteil.

Dennoch lassen sich auch hier einige Zahlen zu finden. Das Einstiegsgehalt liegt hier nach verschiedenen Quellen zwischen 27.000 £ und 31.383 £ oder 33.222 £ und 49.969 £.

Fazit

Im Vergleich zwischen den Ländern belegt die USA den ersten Platz, wo Absolventinnen und Absolventen wohl am meisten als Physician Assistant verdienen. Doch hier sollte bedacht werden, dass im Vergleich zu Deutschland ein anderes Gesundheitssystem dahinter steht, der Beruf seit bald 50 Jahren bekannt und integriert ist und zudem ein anderes Bildungssystem die Grundlage für das Studium zum Physician Assistant darstellt. Zudem verfügen die Physician Assistants in den USA über einen weit größeren Handlungsspielraum aufgrund anderer gesetzlicher Grundlagen als in Deutschland. Zudem sind Studiengebühren in den USA meistens sehr viel höher als in Deutschland.

Im Vergleich zwischen den Bundesländern bei uns belegen Hessen und Baden-Württemberg die vorderen Plätze, gefolgt von Bayern.

Quellen:

https://www.focus.de/finanzen/karriere/bis-zu-14-000-euro-brutto-im-monat-das-sind-die-top-jobs-fuer-schreibtisch-hasser_id_4655272.html

https://www.gehalt.de/einkommen/suche/physician-assistant

http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/aerzte/kommunal?id=tv-aerzte-vka-2014&matrix=1 

http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tvoed/k?id=tvoed-k-2013i&matrix=1

https://www.glassdoor.de/Gehälter/vereinigte-staaten-von-amerika-physician-assistant-gehalt-SRCH_IL.0,30_IN1_KO31,50.htm

https://www.prospects.ac.uk/job-profiles/physician-associate