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Emily Sladdin bei einer Notfallübung

Emily Sladdin – Physician Assistant zwischen Studium und Notaufnahme

Emily Sladdin hat 2020 ihren Bachelorabschluss Physician Assistance (B.Sc.) an der Carl Remigius Medical School gemacht. Schon als Studentin hat sie in einer großen Notaufnahme in Frankfurt gearbeitet. Heute ist sie dort im ärztlichen Dienst fest beschäftigt. Berufsbegleitend studiert sie außerdem noch Krisen- und Notfallmanagement (M.Sc.).

Liebe Frau Sladdin, wie sieht für Sie ein typischer Arbeitstag aus?

Ein typischer Arbeitsalltag ist bei mir unterschiedlich – je nach Schicht. Ich arbeite, wie das Pflegepersonal und der ärztliche Dienst, im Regelschichtdienst. Da ich keine Nachtdienste mache, arbeite ich entweder im Tag-, Zwischen- oder Spätdienst und am Wochenende im 12-stündigen Tagesdienst. Mittlerweile arbeite ich sowohl im chirurgischen Dienst wie auch im internistischen Dienst der Notaufnahme. So habe ich die Möglichkeit, von den Ärzt:innen verschiedener Fachabteilungen zu lernen und meine Kompetenzen zu erweitern.

Wenn ich auf der Arbeit ankomme, bekomme ich eine Übergabe von den ärztlichen Kolleg:innen der vorherigen Schicht. Ich gucke mir die bisherigen Befunde an und bespreche, ob noch etwas erledigt werden muss vor Verlegung oder Entlassung der Patient:innen. Je nach Uhrzeit findet eine oberärztliche Visite statt, bei dem wir alle Patient:innen nochmal anschauen.

Nach der Übergabe ist der Ablauf immer gleich: neue Patient:innen vom Rettungsdienst übernehmen, Anamnese und Untersuchungen machen, Labore und andere Diagnostik anmelden und dann zusammen mit der bzw. dem diensthabenden Oberärzt:in einen Therapieplan entwickeln. Wenn die Notfallversorgung abgeschlossen ist, kümmere ich mich um die Verlegung oder Entlassung der Patient:innen und schreibe Arztbriefe.

Was sind Ihre Aufgaben in der Notaufnahme? Was machen Sie dabei besonders gern und was nicht?

Meine Aufgaben sind zum größten Teil dieselben wie die der Assistenzärzt:innen der Notaufnahme, nur dass ich meine Schritte mit den Oberärzt:innen bespreche, da PAs nur auf Delegation arbeiten. Also Anamnese, Untersuchung, Laborabnahme, Sonografie, Anmeldung von bildgebender Diagnostik, medikamentöse Therapie in Absprache mit Oberärzt:innen, Dokumentation und Verlegungs- und Entlassungsmanagement. Nebenbei müssen auch administrative Aufgaben erledigt werden, wie z.B. die Kodierung von Diagnosen und die Anforderung von Vorbefunden durch Hausärzt:innen oder externe Krankenhäuser.

Eine Aufgabe, die mir besonders viel Spaß macht, ist die Mitarbeit im Schockraum. Ich hatte schon immer Spaß an der Versorgung von akuten Notfällen. Besonders der strukturierte Ablauf anhand von Schemata und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Fachabteilungen finde ich super. Auch sehr interessant ist die Betreuung der CPU-Patient:innen, also Patient:innen mit Herzrhythmusstörungen oder Brustschmerzen.

Weniger schön ist leider die aktuelle Lage. Natürlich ist die Arbeit mit COVID-19-Patient:innen nicht anders als mit anderen Patient:innen. Jedoch ist die Arbeit im Isolationsbereich auf Dauer sehr anstrengend und belastend, da man bei manchen Patient:innen direkt anhand des CTs erkennen kann, wie schwer der Verlauf werden könnte. Die Pandemie hat auch zu vielen Todesfällen in der Notaufnahme geführt, welche für das gesamte Personal belastend ist.

Die Lage des Krankenhauses führt auch dazu, dass wir in der Notaufnahme viele Drogen- und Alkoholfälle sehen. Diese Patient:innen sind zum Teil auch aggressiv, weshalb mir die Arbeit mit solchen Fällen nicht so gefällt.

Portrait von Kirsten Bodusch-Bechstein

„Bei uns erhalten die PAs eine breitgefächerte und praxisnahe Ausbildung. Mit ihren Kompetenzen in patientennahen Tätigkeiten, Kommunikation sowie Prozess- und Informationsmanagement können sie einen größtmöglichen Teil der delegierbaren ärztlichen Aufgaben übernehmen. So entlasten sie Ärztinnen und Ärzte deutlich von Routineaufgaben.“

Prof. Dr. Kirsten Bodusch-Bechstein

Studiendekanin Physician Assistance (B.Sc.) / Physician Assistance für Gesundheitsberufe (B.Sc.) am Standort Frankfurt am Main

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Sie haben auch als Gastdozentin für die Fachgruppe Notfallmedizin gearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen, in der Lehre zu arbeiten?

Ich habe bis Dezember 2021 als Gastdozentin für die Fachgruppe Notfallmedizin am Standort Idstein gearbeitet.

Ich habe im Bachelorstudium das Notfallmodul belegt und war direkt begeistert von der Arbeit der Fachgruppe und wie viel den Studierenden geboten wird. Aufgrund meines Interesses an dem Modul wollte ich mithelfen und das Personal der Fachgruppe unterstützen. Nach erfolgreicher Absolvierung der Fortbildung ALS an der Hochschule wurde mir diese Chance geboten.

Die Lehre macht mir viel Spaß, da ich mein Wissen weitergeben kann und insbesondere in der Notfallmedizin den Studierenden Hilfsmittel an die Hand gebe, damit sie sich nicht mehr vor Notfällen fürchten. Es hat mir immer viel Freude gegeben, die steile Lernkurve der Studierenden im Laufe des Moduls zu beobachten.

Emily Sladdin bei einer Notfallübung

„Mein Rat für die PA-Studierenden ist es, besonders die Zeit in den Praktika zu genießen und viel davon mitzunehmen. Die Ärzt:innen der Kliniken kennen oft das Berufsbild und  geben gern das Wissen weiter. Ich habe mich immer früh auf die Station begeben, um die Blutentnahme vor der Visite zu erledigen, damit ich die Visite dann erleben konnte. Das heißt, dass man meist sehr früh aufstehen muss, jedoch lohnt es sich, da man danach die Visite und die Stationsarbeit mitbekommt.

Das Notfallpraktikum empfehle ich im Rettungsdienst zu machen, da die zwei Wochen (im Physician Assistance (B.Sc.)) nicht ausreichen, um sich in der Notaufnahme einzuleben. Daher empfehle ich eher, eines der längeren Praktika im 6./7. Semester in der Notaufnahme zu absolvieren.“

Emily Sladdin

Absolventin Physician Assistance (B.Sc.) und Studierende Krisen- und Notfallmanagement (M.Sc.)

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Icon Rakete blauNeu: Praxisphase Notfallmedizin verlängert!

Ab Wintersemester 2022/2023 machen unsere Studierende sechs Wochen Praxisphase in der Notfallmedizin.

Wie schaffen Sie es Beruf, Studium und Einsatz als Dozentin miteinander zu vereinbaren?

Das ist eine sehr gute Frage! Ich habe es eine Weile gut unter einem Hut bekommen, jedoch habe ich die Dozententätigkeit seit Januar 2022 abgegeben, da ich meinen Fokus auf meine Arbeit und die Masterthesis legen will. Trotz einer „nur“ 85%-Stelle in der Klinik war es schwer, Zeit für alles zu finden und danach noch Zeit für Privates und Schlaf zu haben. Deshalb musste die Dozententätigkeit abgelegt werden.

Sie machen gerade den berufsbegleitenden Masterstudiengang Krisen- und Notfallmanagement (M.Sc.). Warum haben Sie sich für diesen Studiengang entschieden?

Durch die Arbeit als Dozentin in Idstein und da ich meine Bachelorarbeit in der Fachgruppe Notfallmedizin geschrieben habe, habe ich relativ früh von dem Masterstudiengang gehört. Insbesondere die Lehrgänge 18E – Überleben Land und 18F – Einsatzmedizin haben mich sehr interessiert, der Master ist auch für eine in der Notaufnahme arbeitenden PA eine gute Ergänzung. Als es klar wurde, dass der Master direkt im Anschluss an mein Bachelorstudium durchgeführt wird, habe ich die Chance ergriffen, mich weiterzubilden.

Verraten Sie uns etwas über Ihre Pläne/Ziele für die nächsten Jahre?

Aktuell ist es hauptsächlich mein Plan, die Masterarbeit und das Studium erfolgreich zu absolvieren. Danach möchte ich in der Krankenhaus-Einsatzplanung, insbesondere für MANV-Lagen (MANV – Massenanfall von Verletzten) aktiv werden. Sonst habe ich erstmal keine weiteren langfristigen Pläne geschmiedet, da mein Fokus auf dem kommenden Jahr liegt.

Portrait von Phillipp Merkt

„Um in Krisen- und Notfallsituationen einen kühlen Kopf bewahren zu können, bedarf es einer guten Ausbildung und Vorbereitung im Vorfeld. Daher haben wir diesen Studiengang mit vielen systemischen Trainings zur Steigerung der Ausdauer und der Resilienz angereichert. Spannende Forschungsprojekte erweitern das wissenschaftliche Umfeld dieses Masterstudiengangs. Mit dieser breit gefächerten Ausbildung durch praxiserfahrene Dozenten bereiten Sie sich in Praxis und Theorie auf die hohen Anforderungen eines Krisen- und Notfallmanagers vor.“

Dr. Dr. Philipp Merkt

Leiter Fachgruppe Notfallmedizin

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