Frankfurt am Main Hamburg

"Babybegleitend" studieren

Die Herausforderung bei einem Teilzeit-Studium ist meist, dass neben dem Beruf noch studiert wird.  Sabrina John aus Frankfurt am Main und  Christin Reimers aus Hamburg sind Studierende des Studienganges Gesundheit & Management für Gesundheitsberufe (B.Sc.) und haben beide während der Laufzeit des Studiums Kinder bekommen. Wir haben sie zum Interview getroffen. 

 

Statt berufsbegleitend haben Sie „babybegleitend“ studiert: Wie funktionierte das bei Ihnen beiden?

Christin Reimers: Die Beantragung meines Urlaubssemester hat super geklappt, das Angebot war gleich da. Insgesamt habe ich ein Jahr, also zwei Semester, pausiert, konnte jedoch als Gasthörerin während dieser Zeit Vorlesungen besuchen und so die Zeit auch trotz Urlaubssemester sehr gut nutzen.

Sabrina John: Ich muss sagen, dass es gut funktioniert. In den ersten drei Monaten hat mein Sohn nur geschlafen, sodass ich problemlos und ungestört an den Präsenztagen teilnehmen und lernen konnte. Das Schreiben von Hausarbeiten war auch kein Problem.
Seit dem vierten Monat braucht mein Kind dann doch etwas mehr Entertainmentprogramm und würde bei Anwesenheit die Vorlesung stören. Außerdem habe ich voll gestillt, sodass ich mein Kind nicht abgeben wollte. Demnach musste ich die zwei letzten Präsenzphasen aussetzen.  Ich konnte den Stoff aber gut nacharbeiten. Je älter das Kind wird, desto anstrengender wird das mit dem Lernen nebenher. Die Nächte sind auch teilweise kurz, sodass es schwer ist, sich abends zu konzentrieren.
Man sollte sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass nicht viel Zeit vom Tag übrigbleibt. Wenn das Kind abends im Bett ist geht’s an den Schreibtisch zum Lernen und zum Hausarbeit oder Bachelorarbeit schreiben. Aber mit ein bisschen Ehrgeiz ist das zu bewältigen.

 

Stichwort Kinderbetreuung: Wie flexibel waren die Hochschule und die Lehrenden?

Christin Reimers: Ein aktuelles Beispiel: Ein Prüfungstermin musste leider verschoben werden. Da ich keine Betreuung für meine kleine Tochter fand, die zu dem Zeitpunkt sechs Monate alt war, haben die Mitarbeiterinnen der Hochschule kurzerhand auf die Kleine aufgepasst, als meine mündliche Prüfung stattfand. Das war eine große Erleichterung!

Sabrina John: Die Hochschule war flexibel und hat mich sehr unterstützt. Ich konnte mein Kind zu den Vorlesungen mitbringen und mir wurde ein extra Raum zum Stillen zur Verfügung gestellt. Auch an den Präsenztagen, an denen ich nicht anwesend sein konnte, wurde mir von Seiten der Dozenten Hilfe angeboten. Da die Skripte zu den Vorlesungen gut nachzuarbeiten sind, konnte ich den Lernstoff aus den Vorlesungen so nachholen.

Bei Prüfungsleistungen wurde ich ebenfalls unterstützt. Die Hochschule ist flexibel mit der Vergabe von Prüfungszeiten und nahm Rücksicht, sodass die Prüfungen kein organisatorisches Problem für mich darstellten.

 

Frau Reimers, Sie entschieden sich für Urlaubssemester: Konnten Sie die Zeit dennoch für das Studium nutzen?

Christin Reimers: Ich konnte die Zeit als Gasthörerin sehr gut nutzen. Das war mir wichtig, um für die Prüfungen besser vorbereitet zu sein, die ich dann später absolviert habe. Da ich vorher 50 bis 60 Stunden in der Woche gearbeitet habe, konnte ich so in meiner Elternzeit die Lern- und auch Präsenzphasen vor Ort besser einteilen.

 

Frau John, Sie haben keine Auszeit vom Studium eingelegt: Wie ließ sich der Workload des Studiums insbesondere in den Prüfungsphasen mit Baby bewältigen?

Sabrina John: Mit einer guten Organisation ließ sich der Workload des Studiums gut bewältigen. Es gibt Phasen, in denen das mal besser funktioniert und mal schlechter. Dann muss man sich durchbeißen. Ich bin froh, dass ich kein Urlaubssemester gewählt habe. Durch mein Alter (35) möchte ich nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten gehen und die Studieninhalte anwenden. Wäre ich jünger, hätte ich vielleicht ein Urlaubssemester eingelegt.
Man sollte sich bewusst sein, dass während des Studiums nicht viel Zeit für einen persönlich bleibt. Wie schon oben geschrieben geht es abends nicht auf die Couch, sondern an den Schreibtisch. Am Wochenende muss dann der Partner oder die Großeltern tagsüber mal die Kinderbetreuung übernehmen sodass man zum Lernen und Schreiben kommt. Mit ein bisschen Organisation ist das gut zu bewältigen, erfordert aber neben Ehrgeiz und Motivation auch etwas Durchhaltevermögen.

 

Haben Sie abschließend noch einen Tipp für Studierende, die sich in der gleichen Situation befinden?

Christin Reimers: Die Hochschule hatte im Nachhinein viel mehr Erfahrung mit diesem „babybegleitenden Studieren“ als ich erwartet hatte. Daher empfehle ich, das Thema offen anzusprechen – einfach fragen, welche Möglichkeit es gibt. Scheuklappen und die Erwartung, dass das alles sowieso nicht geht, helfen hier nicht weiter. Ich habe mich für das Studium mit Baby entschieden und bin froh, dass ich nun das Studium abschließen werde, auch, weil ich die Zeit im Urlaubssemester gut nutzen konnte.

Sabrina John: Ob man ein Urlaubssemester einlegt oder nicht ist jedem selbst überlassen. Es gehört noch mehr dazu, als Zeit für ein Studium zu haben. Vielmehr ist die Entscheidung meiner Meinung nach davon abhängig, wie alt man ist, ob das Kind „pflegeleicht“ ist, wieviel Motivation man besitzt, wann man wieder in den Job möchte und wieviel Unterstützung man von der Familie erhält.
Mit oder ohne Urlaubssemester kann man diesen Studiengang gut „babybegleitend“ absolvieren.

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