München

Angehende Physician Assistants erleben den Klinikalltag

„Best Practice“ stand im Mittelpunkt des Symposiums „Das neue Berufsbild Physician Assistance“, das die Carl Remigius Medical School in München veranstaltete. Chefärzte aus diversen Kliniken sprachen über ihre Erfahrungen mit angehenden Physician Assistants, die im Rahmen ihrer Praktika in den Krankenhäusern schon voll im Einsatz sind. Und auch die andere Seite wurde beleuchtet: Studierende berichteten über ihre Erlebnisse in der beruflichen Praxis. 

Die rund 30 Gäste, überwiegend Vertreter anderer Kliniken, aber auch ein Abgesandter des Bayerischen Gesundheitsministeriums, nutzten die Gelegenheit, um sich persönlich ein Bild vom Berufsbild und den Aufgaben des Physician Assistants zu machen. Prof. Dr. med. Gerd Regel vom RoMed Klinikum Rosenheim ist erfreut über die Resultate des ersten Praxislaufs: „Wir haben hochmotivierte Mitarbeiter kennengelernt, die bei uns in der Chirurgie vielfältige Einsatzmöglichkeiten haben, ob nun auf den Stationen, in der Zentralen Notaufnahme oder im Zusammenhang mit Operationen.“ Die angehenden Physician Assistants hätten einen wesentlichen Beitrag zur kontinuierlichen Versorgung der Station geleistet und durch die Übernahme wichtiger Aufgaben zu einer merklichen Entlastung der Ärzte und Assistenzärzte beigetragen. Als Beispiele nannte er Einsatzzeiten im Bereich der Anamnese oder im Rahmen der invasiven Therapien in der Zentralen Notaufnahme. Bemerkenswert sei die Unterstützung aber auch im organisatorischen Bereich und in der Dokumentation sowie in der Begleitung der Patienten nach Operationen und im Rahmen der Angehörigengespräche gewesen. „Unsere Kollegen haben das Berufsbild des Physician Assistant sehr zu schätzen gelernt.“

Wie beurteilen die Studierenden selbst ihren Ausflug in das künftige berufliche Umfeld und die Umsetzung des theoretisch Gelernten in die Praxis? Rosa Maria Erlenberg, Studierende Physician Assistance im fünften Semester an der Carl Remigius Medical School, sprach zunächst einmal von einem steigerungsfähigen Bekanntheitsgrad des Berufes. „Den Ärzten ist der PA schon verhältnismäßig gut bekannt, aber rund 50 Prozent des Krankenhauspersonals hatten noch nie etwas vom Berufsbild gehört. Beinahe gänzlich unbekannt ist die Profession noch bei den Patienten, wir wurden eigentlich immer entweder als ‚Schwester‘ oder ‚Doktor‘ angesprochen.“ Hier sei noch Aufklärungsarbeit zu leisten, die sich mit einer weiteren Etablierung des Berufes in Deutschland aber sicherlich automatisch ergeben würde. „Wir Studierende haben nun auch die Erfahrung gemacht, dass etwa 80 Prozent der Ärzte den Physician Assistant positiv bewerten, im Sinne der Entlastung und Bereicherung.“ Der Ansatz der Carl Remigius Medical School, Theorie sehr frühzeitig mit einem Praktikum zu kombinieren, werde von allen Seiten als Erfolgsmodell angesehen. Es sei eine sehr wertvolle Erfahrung gewesen, den Klinikalltag kennenzulernen und direkt Teil desselben zu sein. Die Möglichkeit und Notwendigkeit, nach entsprechender Weisung eigenständig zu arbeiten und bei Bedarf kompetente Unterstützung seitens der Chef-, Ober- und Assistenzärzte zu bekommen, habe sich als besonders wertvoll und motivierend erwiesen.   „Sehr lehrreich war die Begleitung der Visiten und Besprechungen – und nicht zuletzt auch die klinikinternen Weiterbildungsangebote“, so Erlenberg in ihrem Fazit.

Prof. Dr. Hans-Joachim Günther, Studiendekan des Studiengangs in München und Organisator des Symposiums, macht sich Gedanken über Versorgungslücken im deutschen Gesundheitswesen und die Chancen, die sich durch die Marktdurchdringung mit Physician Assistants ergeben. Er unterstützt die Ergebnisse verschiedener Studien, die davon ausgehen, dass in Deutschland 2030 rund 33 Prozent der notwendigen Ärztestellen sowie knapp die Hälfte der notwendigen Pflegekräftestellen unbesetzt bleiben. „Physician Assistants agieren an der Schnittstelle zwischen Pflege und Ärzteschaft und können dazu beitragen, dass wir die Schließung dieser Lücken schaffen. Schon heute ist der Bedarf groß. In großen Städten wie München mag es sein, dass wir die Versorgungslücken noch nicht so stark spüren, je weiter man sich aber von den großen Zentren entfernt, desto größer wird die Not.“ Prof. Günther geht davon aus, dass es in Deutschland schon jetzt um die 200 offenen Stellen für Physician Assistants gibt, die Absolventenzahlen bewegen sich laut seinen Angaben pro Jahr bei circa 50-60 Personen, Tendenz stark steigend. „Und der Bedarf wird wachsen“, sagt er. „Das ist ein besonderer Auftrag an uns.“ Viele der Studierenden, die jetzt ihr Praktikum absolviert haben, können sich jedenfalls sehr gut vorstellen, an den Ort ihres Wirkens zurückzukehren – und 1/3 von ihnen hätten bereits nach dem 4. Semester bei erfolgreichem Studienabschluss auch schon eine Jobzusage.

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